
Kurzübersicht: Was passiert, wenn Teams aufhören, ständig Probleme lösen zu wollen — und stattdessen den Blick auf das richten, was bereits funktioniert? Dieser Beitrag erzählt von einer Teamsupervision im sozialen Bereich, von kleinen gelingenden Momenten, lösungsfokussierter Haltung und der Arbeit mit Systemischen Strukturaufstellungen (SySt®). Ein lebendiger Einblick in neue Perspektiven, die spürbar entlasten und Bewegung ermöglichen.
Manchmal entstehen in Teams Situationen, in denen sich alles nur noch um das dreht, was schwierig ist. Die Gespräche kreisen um Konflikte, Überforderung, festgefahrene Muster und die Frage, wie man endlich etwas „in den Griff“ bekommt.
Besonders in sozialen Arbeitsfeldern ist dieser Sog nachvollziehbar. Wer täglich mit hoher Komplexität, emotionaler Belastung und herausfordernden Lebensrealitäten arbeitet, entwickelt schnell den Anspruch, ständig Lösungen finden und Probleme lösen zu müssen.
Genau in einer solchen Stimmung begann auch die Teamsupervision eines sozialen Dienstes, die ich vor einiger Zeit begleitet habe. Bereits zu Beginn war spürbar, wie viel Druck im Raum lag. Mehrere Fälle belasteten das Team gleichzeitig, Gespräche mit Klientinnen und Klienten eskalierten immer wieder, manche Interventionen schienen ins Leere zu laufen und viele hatten das Gefühl, ständig reagieren zu müssen, ohne wirklich etwas verändern zu können.
Während erzählt wurde, entstand fast automatisch ein Prozess, den ich aus vielen Supervisionen kenne: Der Blick wurde immer enger. Je intensiver die Schwierigkeiten beschrieben wurden, desto mehr schien sich das gesamte Erleben um das Problem herum zu organisieren. Es entstand das Gefühl, dass ständig noch mehr getan, noch mehr erklärt und noch mehr kontrolliert werden müsse.
An einem bestimmten Punkt habe ich die Runde unterbrochen und eine andere Frage gestellt:
„Gab es in letzter Zeit auch nur einen kleinen Moment, in dem etwas anders war?“
Zunächst wurde es still. Solche Fragen wirken oft ungewohnt, weil sie den gewohnten Problemfokus unterbrechen. Doch nach und nach begannen einzelne Teammitglieder von kleinen Situationen zu erzählen, die im Alltag eigentlich kaum Beachtung gefunden hatten.
Eine Mitarbeiterin berichtete von einem Gespräch mit einer Mutter, das überraschend ruhig geblieben war. Es gab keine Beschuldigungen, keine Eskalation und keine Tränen. Stattdessen entstand für einige Minuten echter Kontakt — und daraus entwickelte sich erstmals wieder Kooperationsbereitschaft.
Ein anderer erzählte von einer Situation, in der ein Jugendlicher erstmals selbst formulieren konnte, was er gerade brauche.
Wieder jemand anderes erinnerte sich an einen Moment im Teamalltag, in dem plötzlich Leichtigkeit spürbar wurde.
Je mehr diese Situationen Raum bekamen, desto stärker veränderte sich die Atmosphäre. Die Probleme waren nicht verschwunden. Aber der Blick wurde weiter.
Genau hier zeigt sich für mich die Kraft lösungsfokussierter Arbeit nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg. Der Fokus verschiebt sich weg von der ständigen Analyse dessen, was nicht funktioniert, hin zu der Frage, was bereits trägt.

Die Haltung dahinter klingt zunächst fast zu einfach:
Doch gerade in hochbelasteten Systemen entfaltet diese Haltung oft eine erstaunliche Wirkung. Denn oft wird bei hoher Belastung genau das immer weiter intensiviert, was längst keine Wirkung mehr zeigt. Gespräche werden länger, Kontrollen enger, Interventionen häufiger — und trotzdem verändert sich wenig.
Dann wird der Lösungsversuch selbst Teil des Problems.
Die lösungsfokussierte Perspektive eröffnet dagegen eine andere Frage:
Im weiteren Verlauf der Supervision arbeiteten wir zusätzlich mit Elementen der Systemischen Strukturaufstellungen nach SySt®.
Gerade in Teamsupervisionen erlebe ich diese Arbeit oft als besonders hilfreich, weil sie das für die Beteiligten wahrnehm- und erfahrbar macht, was zuvor eher diffus im „Dazwischen“ wirkt — und zwar auf unterschiedlichen strukturellen Ebenen: auf der Teamebene, auf der persönlichen Ebene und auf der Organisationsebene.
Im geschützten Rahmen werden dadurch auch Gefühle von Druck, Spannungen oder Loyalitäten sowie unausgesprochene Erwartungen und verdeckte Dynamiken plötzlich räumlich wahrnehmbar.
Wir begannen damit, einzelne Aspekte des Erlebens mit Figuren darzustellen. Dabei wurden sowohl konkrete Personen und Personengruppen als auch Elemente für bestimmte Themen gewählt — beispielsweise für „Druck“, „Verantwortung“, „Erschöpfung“ und „Ressourcen“.
Schon nach kurzer Zeit entstand aus Sicht der Anwesenden ein sehr klares Bild. Manche Positionen standen dicht gedrängt nebeneinander, andere wirkten isoliert. Einige Teammitglieder bemerkten plötzlich, wie stark ihre Aufmerksamkeit permanent auf Konflikte gerichtet war, während gelingende Erfahrungen im Hintergrund verschwanden.
Besonders eindrücklich war ein Moment, in dem das Team erkannte, wie viel Energie es in eine gewohnte Strategie investierte, die füher einmal funktionierte, aber seit längerer Zeit kaum mehr etwas bewegte. Eine Mitarbeiterin sagte schließlich:
„Es fühlt sich an, als würden wir die ganze Zeit an derselben Stelle drücken.“
Diesen Satz stimmten die anderen zu.
Genau darin liegt für mich eine zentrale Qualität der SySt®-Arbeit. Durch die Externalisierung innerer Bilder entstehen neue Wahrnehmungsräume. Beziehungen, Muster und Spannungen werden nicht nur besprochen, sondern körperlich und räumlich erfahrbar.
Dadurch verändert sich häufig auch die innere Haltung der Beteiligten. Statt noch mehr Druck auf „das Problem“ auszuüben, entsteht langsam die Möglichkeit, andere Bewegungen wahrzunehmen.
In der Verbindung mit lösungsfokussierten und hypnosystemischen Ansätzen wurde im Verlauf der Supervision immer deutlicher, dass Veränderung oft nicht dort beginnt, wo am intensivsten „repariert“ wird. Bewegung entsteht vielmehr dort, wo Aufmerksamkeit auf das gelenkt wird, was bereits in Richtung Lösung weist.
Die kleinen gelingenden Momente bekamen plötzlich mehr Bedeutung – aber nicht als naive Positivsicht, sondern als konkrete Hinweise darauf, welche Strukturen und Prozesse bereits tragfähig sind.
Am Ende der Supervision gab es keine perfekte Lösung und keine schnelle Antwort auf alle Belastungen des Arbeitsalltags. Aber es entstand etwas anderes: mehr Klarheit darüber, wo bereits Ressourcen liegen, welche Muster erschöpfend wirken und was vielleicht nicht weiter verstärkt werden muss.
Vor allem entstand spürbar mehr Erlaubnis, den Fokus nicht ausschließlich auf Probleme zu richten. Das Team formulierte das passend für sich:

Vielleicht beginnt die gewünschte Veränderung ja genau dort.
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DeJong, Peter & Kim Berg, Insoo:
Shazer, Steve de (2003, 8. Auflage):
Shazer, Steve de & Dolan, Yvonne:
Sparrer, Insa:
Sparrer, Insa & Varga von Kibéd, Matthias :
Vorhemus, Ursula: