
Kurzübersicht: Veränderungen waren beschlossen, das Team hatte zugestimmt – und trotzdem entstanden plötzlich Spannungen, Missverständnisse und Widerstände. In einer begleiteten Teamsupervision wurde sichtbar, was unter der Oberfläche wirkte: Unsicherheit, Verlustängste und das Bedürfnis nach Orientierung. Warum Widerstand oft eine wichtige Funktion hat und weshalb echte Veränderung mehr braucht als rationale Zustimmung, darum geht es in diesem Beitrag.
Ich erinnere mich noch gut an diesen Veränderungsprozess in einer Organisation, den ich im Rahmen einer Teamsupervision begleitet habe. Eigentlich war alles vorbereitet. Die Entscheidungen waren getroffen, Maßnahmen beschlossen und Vereinbarungen abgestimmt. Auch das Team hatte den Veränderungen zugestimmt. Rational betrachtet schien der Weg frei. Und trotzdem hatte ich schon zu Beginn das Gefühl: Unter der Oberfläche arbeitet noch etwas ganz anderes mit.
Denn obwohl „vom Kopf her“ alles klar war, entstanden plötzlich überall kleine Irritationen im Alltag. Absprachen funktionierten nicht mehr so selbstverständlich wie zuvor. Missverständnisse häuften sich, Gespräche wurden angespannter und die Stimmung im Team veränderte sich spürbar. Manche Mitarbeitende reagierten gereizt, andere zogen sich zurück. Wieder andere wirkten provozierend oder blockierend. Niemand sprach offen von Widerstand – und doch war er überall zu spüren.
Mit jeder Woche nahm die Verunsicherung im Team zu. Gleichzeitig stieg auf Leitungsebene die Ungeduld. Warum ging es nicht voran? Warum verhielten sich einzelne plötzlich so schwierig, obwohl doch alle zugestimmt hatten? Teilweise wurde Mitarbeitenden destruktives oder bewusst provozierendes Verhalten vorgeworfen.
In der Teamsupervision wurde nach und nach sichtbar, was unter der Oberfläche wirkte. Ich arbeitete dabei mit hypnosystemischen Perspektiven und Elementen der Systemischen Strukturaufstellungen nach SySt®. Dadurch konnten Strukturen und Prozesse aus der Perspektive der Teammitglieder sichtbar werden, die zuvor kaum greifbar waren.
Was besonders deutlich wurde: Obwohl die Veränderungen formal akzeptiert waren, blieben viele Fragen unausgesprochen. Manche wurden heruntergespielt, andere hatten schlicht keinen Raum bekommen. Wieder andere waren zuvor kaum bewusst – aber unterschwellig bereits spürbar.

Es ging um Fragen wie:
Hypnosystemisch betrachtet sind genau solche inneren Verunsicherungsprozesse, ausgelöst durch äußere Ereignisse, hochrelevant. In der Neurobiologie und Neuropsychologie sind sie seit Langem unter dem Begriff „Priming“ bekannt. Ausführlich beschrieben wurden sie unter anderem von Gunther Schmidt, Facharzt für psychosomatische Medizin, Psychotherapeut und Diplom-Volkswirt.
Das heißt ganz kurz zusammengefasst:
Wenn Menschen Ungewissheit oder Ohnmacht erleben, reagiert das innere System häufig mit Alarm. Unter Druck verengt sich das Denken. Gefühle wie Angst, Ärger oder Hilflosigkeit treten stärker in den Vordergrund. Verhalten wirkt dann schnell destruktiv, widersprüchlich oder blockierend. Das hat nichts mit „böser Absicht“ zu tun, sondern ist vielmehr ein Ausdruck innerer Unsicherheit.
Besonders eindrücklich wurde das in der Strukturaufstellungsarbeit sichtbar. Das vermeintlich „störende Verhalten“ hatte eine wichtige Funktion. Hinter Rückzug, Gereiztheit oder Widerstand standen grundlegende Bedürfnisse nach Orientierung, Sicherheit, Zugehörigkeit und Einfluss. Für manche ging es auch darum, nicht das Gesicht zu verlieren oder den eigenen Platz im Team zu sichern.
Der Wendepunkt in dieser Teamsupervision entstand nicht durch mehr Druck oder weitere Sachargumente. Entscheidend war etwas anderes: Es entstanden Räume für echten Austausch.
Dadurch veränderte sich etwas im Team. Die Atmosphäre wurde spürbar ruhiger. Gespräche waren wieder offener möglich.
Und all das passierte nicht, weil plötzlich alle begeistert von der Veränderung waren, sondern weil das, was innerlich längst da war, endlich einen Platz bekam.
Für mich zeigt sich in solchen Prozessen immer wieder etwas Wesentliches:
Widerstand bedeutet häufig nicht mangelnde Veränderungsbereitschaft. Oft steckt dahinter vielmehr Loyalität gegenüber etwas, das bisher getragen hat. Menschen kämpfen nicht zwangsläufig gegen das Neue, sondern manchmal für etwas, das ihnen wichtig ist und das sie nicht verlieren möchten.
Gerade deshalb lohnt es sich, bei diffusem Widerstand genauer hinzusehen. Denn nicht selten ist er ein Hinweis darauf, dass etwas Wesentliches noch keine Sprache oder keinen Platz gefunden hat.
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Schmidt, Gunther:
Vorhemus, Ursula: